29.11.2012 Veröffentlicht von Torsten in Sonstiges, Spezial

Will uns der NDR zu Radio-Masochisten machen?

Seit gestern bin ich geneigt, die Frage im Titel mit "JA" zu beantworten. Das Radioprogramm von NDR 2 scheint eine kalkuliert beabsichtigte Quälerei zu sein, die ich nun belegen kann. In der Gummi-, Lack- und Lederszene bezeichnet man käuflich erworbene Qual als (Sado-)Masochismus. Kaufen muss der mündige Bürger im vorliegenden Fall das öffentlich-rechtliche Programm per Zwangsabgabe über die Rundfunkgebühr - ab 2013 Rundfunkbeitrag. Und die Qual entsteht bei mir persönlich durch die folgenden Begebenheiten:

Ein Phänomen, das NDR 2 sicherlich mit den meisten anderen Radiosendern teilt, ist die musikalische Tristesse. Es scheint ein Portfolio aus 20-30 Songs zu geben, die lieblos hoch und runter georgelt werden. Das allein fordert schon ein Übermaß an Toleranz. Wenn dann jedoch auch noch immer das gleiche Lied zur gleichen Zeit gespielt wird, komme ich mir vor wie Wettermann Phil Connors im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Was im Unterhaltungskino durchaus noch drollig ist, drängt einem im wahren Leben an den Rand des Zumutbaren. Es geht konkret um den Song "Little Talks" von der Band "Of Monsters And Men" (siehe Bild). Dieser läuft in einer einstweilen unerträglichen Häufigkeit immer nach den 7.00 Uhr Nachrichten. Gestern war es wieder soweit! Das passiert zwar nicht täglich, aber in einer Anhäufung, dass es auffällt, massiv nervt und bei mir die Frage des "WIESO?" aufwirft. Soll der Titel ein flotter Wecker sein, ist der Einsatz von der Plattenfirma an der Stelle gebucht, oder zeigt sich in der Agglomeration tatsächlich die wahre Erbärmlichkeit der übersichtlichen Musikauswahl des Senders?

Of Monsters And Men - Foto: © Universal
Dass NDR 2 offensichtlich komplett auf eine Musikredaktion verzichtet, ist quasi unüberhörbar. Sollte dort dennoch ein Musikredakteur im Lohnbezug sein, wäre es dringend angebracht, dessen Legitimation zu überprüfen. Ich vermute, dass der Sender für die Erstellung des Musikprogramms eine Software namens "Guantanamo Playlists 2.0" einsetzt, die darauf ausgelegt ist, den gebührenpflichtigen Hörer weich zu kochen. Akustische Folter, oder nennen wir es lieber ausdruckslose Seichtheit? Als halbwegs gebildeter Mensch wehre ich mich gegen die Vorstellung, dass dem Gros der Zuhörerschaft diese Eintönigkeit nicht stört, oder schlimmer noch, nicht auffällt. Sind denn die meisten Menschen wirklich nur noch im Sinne ihrer Kaufkraft nützliche Verbraucher, die es zu manipulieren gilt? Ich distanziere mich auf jeden Fall von der Unkultur dieser, durch Zwangsabgaben finanzierten Einöde!

Früher waren Radiosendungen Trendsetter! Dort konnte man im normalen Programm noch neue Musik entdecken. Heute begnügt man sich mit der randomisierten Wiedergabe der Top-20. Nur was bereits erfolgreich ist, findet den Weg in die Playlisten. Dass dabei Songs und auch Künstler so penetrant eingesetzt werden, dass man sie nach einiger Zeit mit klarem Verstand nicht mehr ertragen kann, scheint einkalkuliert zu sein, oder aber gar nicht aufzufallen. Sängerinnen wie Amy MacDonald oder Adele hängen mir kilometerweit aus den Ohren raus. Ich kann sie nicht mehr hören! Beim ZDF läuft diese Ausbeutung des temporär Erfolgreichen gerade bis zum Abwinken mit "Flatrate-Conférencier" Markus Lanz, der als Geheimwaffe alles moderiert, was Aussicht auf Quote hat. Die telegene Erscheinung von Herrn Lanz wird bei der Häufigkeit seiner Einsätze sicher bald den Zustand der Homöostase verlassen. Sofern Jörg Pilawa dann noch nicht von SAT.1 zurückerworben wurde, könnte er notfalls wieder übernehmen, oder Klaas und Joko, wenn die dann noch nicht durch ihre Omnipräsenz pulverisiert sind!

Ich würde mir gerade im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk mehr Nachhaltigkeit, wenn nicht sogar einen Paradigmenwechsel wünschen. Es kann doch nicht sein, dass ein gebührenfinanziertes System seine Geldgeber derart am Nasenring herumführt. Sorgt endlich mal wieder für kreative Leute und innovative Programme! Habt mal Mut, neue Songs von weniger bekannten Künstlern zu spielen und nicht nur immer stromlinienförmige Inhalte in der Dauerschleife zu senden sowie glattgebügelte Dauermoderatoren einzusetzen. Und speziell beim NDR – das ist das Programm, das ich terrestrisch empfange – sollten einige Radiomoderatoren mal ihre Deutschkenntnisse auffrischen. Schließlich hat so ein Sender auch immer noch einen Bildungsauftrag und könnte sich dem freien Fall des eigenen Anspruchs durchaus erwehren!

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