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Tag: Retro

Foto: Robert Ascroft

Kat Edmonson – The Big Picture – Feinster Vintage Pop

Kürzlich bekam ich ein Paket mit diversen CDs, die im Januar auf den Markt kommen. Dabei war auch das neue Album von Kat Edmonson, die mir bis dahin unbekannt war. The Big Picture ist der zweite Longplayer der US-Amerikanerin und erscheint am 16. Januar 2015.

Kat Edmonson - The Big Picture
Bereits das Cover im Twiggy-Look mit Kurzhaarfrisur und einem klassischen, analogen Fotoapparat vermittelt einen Eindruck, der sich in der Musik fortsetzt. Jede Menge Retro-Feeling. Den Anfang macht "Rainy Day Woman", das problemlos als James Bond-Titelsong durchgehen würde. Sowohl das Songwriting als auch die Instrumentierung mit aufwendigen Orchester-Elementen transportieren ein Sechziger-Feeling, welches sich größtenteils auch in den weiteren Titeln wiederfindet. Dass Kat Edmonson eine Texanerin ist, mag man kaum glauben. Das Album klingt very british und versetzt einen gefühlt ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit zurück. Hochklassige Arrangements produziert vom Grammy nominierten Mitchell Froom (u. a. Paul McCartney) sorgen für eine ganz spezielle Stimmung. Vergleiche zu Amy Winehouse oder Duffy kann man in positiver Hinsicht durchaus ziehen, wobei die Stimme von Kat Edmonson ganz anders klingt. Ihr Timbre erinnert mich hier und da an Christina Perri, allerdings wirkt Kat Edmonson deutlich routinierter, sicherer und sie kann das Niveau auch live halten.

Kat Edmonson - Foto: Robert Ascroft

Die Songs haben den Charme großer Songwriter-Nummern aus den 60er-Jahren, als noch echte Handwerkskunst nötig war, um gute Titel zu produzieren. Einzig der Track "All The Way" ordnet sich nicht so ganz in dieses Schema ein, was dem positiven Gesamteindruck jedoch überhaupt keinen Abbruch tut, weil dieser Titel nämlich eine ganz wunderbare Singer-/Songwriter-Nummer ist, für mich sogar der beste Song des Albums. Fast alle Titel stammen ganz oder zu erheblichen Teilen aus der Feder von Kat Edmonson. Wir hören hier also keine Marionette, sondern eine Vollblutmusikerin. Das macht dieses Album extrem authentisch, eigen und besonders, so dass es aus den vielfach glattgeschliffenen Pop-Publikationen wohltuend heraussticht. Der Sixties-Style in moderner Aufnahmetechnik, sie nennt es selbst Vintage-Pop, wirkt trotz aller Retro-Elemente frisch, unverbraucht und trifft meinen Geschmack. Die Musik dürfte auch mühelos in den Mainstream-Medien funktionieren. Für mich ist The Big Picture auf jeden Fall schon mal ein sehr schöner musikalischer Auftakt für 2015. So darf es gerne weitergehen…

Kat Edmonson - The Big Picture


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Foto: Universal Music Group

Lana Del Rey – Born To Die

Bereits lange vor der Veröffentlichung des Albums zerbrach sich die Boulevardpresse die Köpfe über die Geschichte zu Lana Del Rey, die in Wirklichkeit Elizabeth Grant heißt. Spekuliert wurde und wird darüber, ob sie nun aus reichem Hause kommt, oder aber in einem Trailer-Park aufgewachsen ist. Ein weiterer Aufhänger dreht sich um die Frage, ob ihre Lippen echt sind, oder aufgespritzt wurden. Diese Themen sind aber eigentlich ziemlich unwichtig, wenn es um die Musik gehen soll. Ich habe heute die Möglichkeit erhalten, vorab in das Debüt-Album von Lana Del Rey reinzuhören. Zumindest unter diesem Namen ist es ihr erstes Werk. Als "Lizzy Grant" hat sie schon mal mit hellblonden Haaren musikalische Gehversuche unternommen.

Lana Del Rey - Born To Die
Die Single "Video Games" (siehe Video) dürfte inzwischen jedem relativ bekannt sein. Auch hier halten sich die Gerüchte, ob sie das Video, welches bei YouTube bereits weit über 21 Mio. Mal aufgerufen wurde, wirklich selbst erstellt bzw. zusammengeschnitten hat, oder nicht.



Die zweite Single "Born To Die" läuft auch seit einiger Zeit. Am 27. Januar kommt nun endlich das lang erwartete Album, welches gerade bei mir läuft, während ich diese Zeilen niederschreibe. Häufiger wurde Lana Del Rey´s Stimme in Publikationen schon mit der von Amy Winehouse verglichen. Ich höre diese Ähnlichkeit nicht! Die Songs sind zwar in einem gewissen Retrostil gehalten, der aber nicht in die soulige Richtung von Amy Winehouse geht. Die Stimme hat eine gänzlich andere Klangfarbe und an den Stimmbändern von Lana Del Rey dürfte auch deutlich weniger Alkohol entlanggeflossen sein. Mich erinnert der Gesang eher an Mama Cass Elliot (The Mamas and the Papas), was ebenfalls als hoher "Qualitätsbenchmark" gesehen werden darf. Die Songs sind weich und schwebend mit tragenden Orchesterklängen in durchgängig wallenden Hallräumen. Es gibt jazzige Einflüsse (z.B. "Million Dollar Man") und modernere Beats, die sich jedoch meist gut ins Gesamtbild einfügen, also nicht wie ein schlechter Remix daherkommen. Einige Songs sind mir persönlich jedoch etwas zu dick gemischt. Da drückt der Rhythmus doch ziemlich auf die Basslautsprecher. "National Anthem" hat mich partiell ein wenig an den 87er Song "Heart And Soul" von T'Pau erinnert. Im Song "Radio" kommt die samtige Stimme von Lana Del Rey besonders in den tiefen Lagen besonders gut zum Tragen. Das könnte ggf. auch die nächste Single werden, weil es schon aufgrund des Titels reichlich Airplay geben sollte und da diese Nummer eine etwas andere Facette zeigt. Der Retrotrend, der durch Künstler wie Amy Winehouse, Duffy oder zuletzt auch durch Adele geprägt wurde, wird von Lana Del Rey fortgesetzt, wobei ihre markante Stimme sowie der besondere Sound dem Ganzen eine eigenständige Note geben. Somit ist es auch relativ egal, ob Lana Del Rey inkl. ihrer Biografie und ihren Lippen eine Kreation der Plattenfirma ist, oder eben nicht. Auf jeden Fall hat sie aufgrund dieser Themen sowie des o.g. Videoclips schon mal ordentlich Presse bekommen. Was am Ende zählt, ist das Gesamtbild sowie die Musik. Die Stimme finde ich genial und die Klangwelt von Lana Del Rey trifft den Zeitgeschmack, so dass das Album garantiert häufig über den Ladentisch gehen wird!

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