25.05.2012 Veröffentlicht von Torsten in Sonstiges, Spezial

Die GEMA dreht durch!

Normal schreibe ich hier im Blog über neue CDs und DVDs, Konzerte und Festivals sowie andere Themen rund um die Musik. Heute geht es mal um die GEMA, die als Treuhänderin für 65.722 Mitglieder in Deutschland (stand 31.12.2011) sowie über 2 Millionen Rechteinhaber in aller Welt dafür sorgt, dass diese bei Nutzung ihres geistigen Eigentums angemessen entlohnt werden. Soweit so gut!

Musikstile © kentoh Fotolia

Nun ist die GEMA jedoch in letzter Zeit durch geplante, massive Preiserhöhungen häufiger in der Presse und in der Kritik. Hierbei geht es vorerst mal um die Neugestaltung der Veranstaltungstarife in Gaststätten, Diskos sowie auf Zeltfesten, usw. Laut Meldung der GEMA soll das System fairer werden. Hierbei werden Rechenbeispiele aufgeführt, die zeigen sollen, wo es günstiger wird und wo teurer. In einem Zeitungsbericht zu diesem Thema habe ich kürzlich gelesen, dass eine Diskothek in Norddeutschland anstatt aktuell rund 15.000 Euro, zukünftig in etwa 150.000 Euro, also das zehnfache an die GEMA zahlen soll. Bei vielen anderen Betrieben stehen ebenfalls teils massive Preiserhöhungen an. Im Grundsatz sollen durch die neuen Veranstaltungstarife kleine Betriebe entlastet und große Betriebe mehr zur Kasse gebeten werden. Für die meisten scheint sich jedoch eine massive Erhöhung der Beiträge abzuzeichnen. Wenn eine Erhöhung im Rahmen von 5-10% stattfinden würde, wäre es sicher auch keine große Sache. Doch die Erhöhungen liegen häufig bei mehreren hundert Prozent und darüber hinaus. Noch absurder wird das Ganze, wenn letztlich nicht mal unbedingt die Künstler, deren Songs gespielt werden, eine direkte, höhere Vergütung bekommen, sondern die Mehreinnahmen über den Verteilungsschlüssel (siehe weiter unten) ausgeschüttet werden. So könnte z.B. eine große Gothic-Party ordentlich Geld in die GEMA-Kassen spülen, von dem die Gothic Künstler selbst aber ggf. nur Bruchteile abbekommen würden. Das liegt zum einen daran, dass viele Veranstaltungen pauschal abgerechnet werden und es keine Auflistungen der gespielten Titel gibt. Somit kann auch keine gerechte Vergütung erfolgen. Zum anderen liegt es am Verteilungsschlüssel der GEMA. Der größte Anteil, nämlich 65,25% der Ausschüttung für 2011 erhielten die sogenannten ordentlichen Mitglieder bzw. Vollmitglieder. Ende des Jahres gab es (nur) 3.448 ordentliche Mitglieder bei der GEMA. Um Vollmitglied zu werden muss man jedoch mindestens fünf Jahre ein außerordentliches Mitglied gewesen sein und einen Mindest-GEMA-Ausschüttungsbetrag (30.000 Euro innerhalb der fünf Jahre) erlangt haben. An die 6.472 außerordentlichen Mitglieder wurden 2011 nur 4,79% der Ausschüttungen verteilt. Der Weg nach oben ist also nicht ganz einfach und von magerer Vergütung geprägt. Es gibt auch noch angeschlossene Mitglieder. Diese sind zwar Urheber, aber weder Komponist, noch Texter oder Verleger, oder deren Erben. Die knapp 56.000 angeschlossenen Mitglieder repräsentieren die größte Gruppe, die sich durch die GEMA vertreten lässt; es sind aber keine echten Vereinsmitglieder. An diese Gruppe wurden 2011 23,3% der Ausschüttungen verteilt. Zusammengefasst bedeutet das, dass die ordentlichen Mitglieder zwar mit gut 5% die kleinste Gruppe innerhalb aller Mitglieder darstellen, aber mit Abstand das größte Stück (ca. 2/3) vom Kuchen bekommen. Somit wird diese Gruppe von den neuen Veranstaltungstarifen natürlich auch am meisten profitieren. Diese Fehlgewichtung ist für mich der Beweis eines recht zweifelhaften Systems, in dem es viele Ungerechtigkeiten zu geben scheint!

GEMA Abgabe auf USB-Sticks und Speicherkarten
USB Stick © Yahia LOUKKAL - Fotolia
Der nächste Coup der GEMA sind die Erhöhungen der Abgaben auf USB-Sticks und Speicherkarten! Auch hier begnügt man sich nicht mit kleinen Preissteigerungen, sondern möchte die Abgabe von 10 Cent auf 1,95 Euro pro Medium erhöhen. Das entspricht einem Aufschlag von 1850%! Als Erklärung wird der technische Fortschritt genannt. Vermutlich ist der größere Speicherplatz gemeint? Aber für was zahlt der Kunde denn eigentlich konkret, bzw. was ist die Gegenleistung? Auf dem Speichermedium sind ja keine Daten drauf, die urheberrechtlich geschützt werden können. Meinen die, dass nun mehr Raubkopien auf die Speichermedien passen und deswegen eine so astronomische Preiserhöhung gerechtfertigt sei? Werden solche Raubkopien dann legal, weil sie über die erhöhte Abgabe üppig vergütet werden? Werden mal wieder alle unter Generalverdacht gestellt und müssen sich mit der willkürlich taxierten GEMA Abgabe freikaufen?

Ich betreibe nicht nur diese wunderbare Webseite, sondern bin auch Teehändler. Daher stelle ich mal einen Vergleich auf. Ich möchte ab 1. Januar 2013 bitte für jedes verkaufte Teetrinkgefäß (Tasse, Glas, Schale,…) 10 Cent Gebühr erheben und für jede Teekanne 50 Cent. Es könnten ja aus den Gefäßen Tees aus meinem Sortiment konsumiert werden, die illegal den Besitzer gewechselt haben. Das klingt bescheuert und ist bescheuert! Mir fehlt natürlich auch die staatliche Legitimation dafür. Und das macht den Unterschied zur GEMA. Die darf das und wartet nun auf das freundliche Abnicken vom Patentamt für diesen Irrsinn!

Da die Einnahmen der GEMA über die letzten 10 Jahre relativ konstant sind, stellt sich die Frage, was diese massiven Erhöhungen für einen Sinn haben? Es liegt die Vermutung nah, dass damit die heftigen Einbrüche bei den Musik-Verkäufen für die Künstler kompensiert werden sollen. Der Weg ist jedoch aus meiner Sicht eine Sackgasse! Denn bei den neuen Veranstaltungstarifen wird es vielen Betrieben das Genick brechen, da diese sich die unerhörten Preissteigerungen nicht werden leisten können. Primäres Ziel einer Veranstaltung kann es auch nicht sein, den GEMA-Mitgliedern ihre Taschen zu füllen. Ein Unternehmer arbeitet zuerst einmal für seinen eigenen Ertrag. Je mehr externe "Handaufhalter" jedoch vor dem eigenen Nutzen stehen und das wirtschaftliche Risiko drastisch erhöhen, desto weniger sind Unternehmer bereit, Veranstaltungen mit Musik überhaupt noch durchzuführen. Für viele Betriebe würde das das Ende bedeuten! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich mir die Musik, die mir gefällt, auch kaufe. Dafür muss ich jedoch diese Musik erst mal irgendwo hören. Daher ist jede Aufführung, egal ob in der Disko, auf dem Stadtfest oder z.B. auch bei YouTube, eine Art Marketingmaßnahme, die dem Künstler hilft, Tonträger zu verkaufen! Somit sollte genau überlegt werden, ob es Sinn macht, alle diese Veranstalter und Aufführer derart zu drangsalieren!

Natürlich wird es immer Leute geben, die sich ihre Musik illegal kopieren. Die gab es aber auch schon zu Zeiten der Compact-Kassetten. Anstatt jedoch mit Pauschalabgaben – auch für die ehrlichen Bürger – diese Ausfälle auszugleichen und die Einnahmesituation augenscheinlich zu verbessern, würde es viel mehr Sinn machen, innovative Vertriebswege zu finden. Das hat die Musikindustrie jedoch über Jahre verschlafen. Es wird auch nicht jeder USB-Stick, jede Speicherkarte oder jeder CD-Rohling mit illegal beschafftem Urheberrechtsmaterial bespielt. Umsatzverluste können auch durch schlechte Qualität begünstigt sein. Falls die massiven Preissteigerungen der GEMA Beiträge wirklich in die Tat umgesetzt werden, wird das den Künstlern erheblichen Schaden zufügen und dem Gros sicher auf Dauer in der Summe nicht mehr Geld in die Taschen spülen… Zudem würde es der Veranstaltungskultur in Deutschland gar nicht bekommen!

Fotos: DWF/Fotolia, kentoh/Fotolia, Yahia LOUKKAL/Fotolia

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