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Tag: Kritik

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The Doobie Brothers – Live At Wolf Trap [DVD]

In der über 40-jährigen Geschichte der Doobie Brothers ist eine Menge passiert. Es gab diverse Umbesetzungen, die Band löste sich 1982 auf, kam aber 1986 wieder zusammen,… Der Musikstil wird bei Wikipedia als Countryrock oder Boogie Rock bezeichnet. Das Konzert vom 25. Juli 2004 im Wolf Trap Nationalpark in Virginia kommt nun erstmals als Blu-ray in den Handel. Zeitgleich werden auch die DVD sowie die CD (mit einer gekürzten Trackinglist) neu aufgelegt.

The Doobie Brothers - Live At Wolf Trap
Zur Zeit des Konzerts, aber auch heute noch sind die Hauptakteure der Doobie Brothers Tom Johnston, Pat Simmons und John McFee. Alle spielen Gitarre und singen, letzteres auch gerne mehrstimmig. John McFee greift zudem auch zu Geige und spielt Pedal Steel- sowie Slide Gitarre. Ich habe die DVD als Rezensionsexemplar bekommen. Leider hatte der Promoter neben den Cover-Fotos kein weiteres Bildmaterial, so dass ich direkt in den USA über eine E-Mail Adresse, die explizit für Pressebildanfragen auf der Webseite der Band eingerichtet ist, nach entsprechendem Material gefragt. Bei einem anderen Künstler aus den Staaten hatte ich es schon mal. Dort scheint man kein Interesse an einer guten Pressearbeit für Deutschland zu haben. Denn eine Antwort geschweige denn Bilder habe ich nicht bekommen. Schade! Also habe ich das Bild aus dem Cover genommen. Das geht auch, entspricht jedoch eigentlich nicht meinem Anspruch.

Zum Konzert: Die Doobie Brothers sind musikalisch durchaus eine hochwertige Band. Die Bühne ist aber auch voll mit Musikern. Neben den drei oben erwähnten, gibt es zwei Schlagzeuger, einen Percussionisten, einen Bassisten, einen Keyboarder, sowie eine dreiköpfige Bläsertruppe, dessen Kopf Marc Russo (Saxophone) auch mit tollen Solo-Einlagen glänzt. Die Darbietung enthält die großen Hits der Doobie Brothers inkl. "Rockin´ Down The Highway", "Listen To The Music" oder "Long Train Running", aber auch einige seltener gespielte Nummern. Die großen Zeiten der Doobie Brothers waren jedoch in den Siebzigern und Achtzigern. Damals war das Live-Feeling einfach besser und auch die Spielfreude wirkte authentischer. Der Gitarrensound von Jon McFee ist zudem bei dieser Aufnahme tendenziell gewöhnungsbedürftig. Der wird vermutlich durch irgendeinen Modelling-Amp geschickt, der zeitweise etwas Top-40-Band Stimmung aufkommen lässt. Als Ergänzung für die Sammlung ist "Live At Wolf Trap" okay, im Vergleich zur Live Aufnahme "Live At The Greek Theatre" aus dem Jahr 1982 lässt es jedoch ein wenig den Spaß an der Musik vermissen.


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Foto: Robert Ellis
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Paul McCartney / Wings - Wings Over America

Man kann Paul McCartney definitive zu den Dinosauriern im Musik-Business zählen. Deswegen werden auch immer wieder alte Werke von ihm und von den Wings neu aufgelegt. Heute erschien das Live-Album "Wings Over America" als Re-Release, welches die legendäre Nordamerika Tour (1976) der Band um Paul und Linda McCartney sowie dem Gitarristen Denny Laine (ex-Moody Blues) dokumentiert.

Paul McCartney - Wings - Wings Over America
Das Album erscheint in verschiedenen Versionen bis hin zum Deluxe Edition-Boxset, bestehend aus 4 Büchern und 4 Discs (3 CDs, 1 DVD)! Mehr geht nicht. Ich habe als Rezensionsexemplar die Doppel-CD bekommen, die das ursprüngliche Album enthält. Das Material wurde in den Abbey Road-Studios remastert. Mir fehlt leider der Vergleich zur Original-Veröffentlichung. Der Klang entspricht jedoch nach wie vor einer typischen Aufnahme aus den Siebzigern, allerdings ist alles recht luftig. Besonders sticht der Bass hervor, der zwar nicht wummert, aber sehr präsent hörbar ist. Vielleicht war der Funk damals ein Grund für den vordergründigen Bass, aber ansonsten ist das Album auf großen Strecken recht rockig. Neben den großen Hits der Wings wie z.B. "Live And Let Die", "Jet", "My Love", "Band On The Run" oder "Silly Love Songs" sind auch die Beatles Titel "Lady Madonna", "The Long And Winding Road", "I´ve Just Seen A Face", "Blackbird" und "Yesterday" zu hören. Die Mischung der Songs ist sehr abwechslungsreich und die Spielfreude der Wings ist unüberhörbar. Somit wird knapp 2 Stunden kurzweilige Musik geboten, die live mit vier Bläsern schön abgerundet wird. Beim Durchhören ist man doch erstaunt, wie viele Hits die Wings allein von der Gründung 1971 bis zur Aufnahme 1976 hatten. Dabei waren die höchsten Chartplatzierungen sowohl bei den Singles als auch bei den LPs tatsächlich in den USA. Dort hatten die Wings von 1973 bis 1977 fünf Longplayer in Folge auf Platz 1. Die letzte Nr. 1 war "Wings Over America", dieses Live-Album, das eine hervorragende Zwischenbilanz der Band aufzeigt. 1981 lösten sich die Wings auf.


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Foto: Eric Nielsen
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Sound Of Contact – Dimensionaut

Als Sohn von Phil Collins hat man zwei Möglichkeiten: Man macht einen riesen Bogen um die Musik und sucht sich einen ordentlichen Job, oder man gibt sich ebenfalls diese Kunstform hin, steht dann aber unter handfester Beobachtung. Mit dem Progressive-Rock-Projekt Sound Of Contact bringt Simon Collins nach drei Solo-Alben nun zusammen mit Dave Kerzner ein Album an den Start, das sich mit den Werken seines berühmten Vaters messen lassen muss.

Sound Of Contact - Dimensionaut
Der Vergleich zu Genesis oder den Solo-Projekten von Phil Collins ist unausweichlich. Für Simon Collins war das jedoch kein Grund zu kneifen. Mit der Musik aufgewachsen und auch auf vielen Tourneen anwesend, wurde der Collins-Spross infiziert, aber auch automatisch in Sachen Songwriting und Qualität geschult. Dimensionaut ist ein Konzeptalbum über einen dimensionalen Zeit- und Raum-Reisenden namens Dimo, der sich auf einer Mission befindet, die Grenzen der menschlichen Erfahrung zu erweitern. Dabei gibt es sowohl modern klingende Prog-Rock-Passagen, als auch geradlinigere Rock-Songs. Und – man möge mir den erneuten Vergleich verzeihen – einige Titel erinnern tatsächlich stilistisch an frühere Genesis Werke, selbst aus der Peter Gabriel Ära. Auch viele Keyboard-Sounds klingen, wie die typischen monophonen Synthesizer aus den Siebzigern. Dabei wirkt das Album aber keinesfalls tradiert. Im Gegenteil! Es ist musikalisch ein beeindruckendes Werk, das sich bei dem einen oder anderen Hörer vielleicht auch erst nach mehrmaligem Hören in voller Pracht zeigt. Simon Collins übernimmt, wie sein alter Herr den Gesang sowie das Schlagzeug. Dave Kerzner ist für die Keyboards verantwortlich und hat ebenfalls einige Gesangsparts. Ergänzt werden die beiden von Kelly Nordstrom (Gitarre, Bass), Matt Dorsey (Gitarre, Bass) und Hannah Stobart, die dem Song "Beyond Illumination" ihre angenehme Stimme leiht.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, heißt es im Volksmund. Bei Sound Of Contact mit Simon Collins ist die musikalische Herkunft deutlich hörbar. Und das ist auch gut so. Das Album Dimensionaut zeigt in gut 73 Minuten den hervorragenden Einfluss von Papa Phil sowie die guten Gene bei der Stimme, die wohl für das ähnliche Timbre verantwortlich sein dürften. Die CD hebt sich erfrischend vom glattgeschliffenen Radio-Mainstream ab und könnte sogar das Zeug für einen Meilenstein haben. Vielleicht sind Sound Of Contact sogar die ehrwürdigen Nachfolger von Genesis...

Sound of Contact - Dimensionaut "Landing Soon" Trailer



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Timo Tolkki´s Avalon – The Land Of New Hope

Wie wäre es mal mit einer Metal-Oper? Der Begriff Oper bezeichnet eigentlich eine musikalische Gattung des Theaters. Ein Schauspiel wird auf "The Land Of New Hope" von Timo Tolkki´s Avalon zwar nicht geboten, der Musik ist aber eine gewisse Theatralik durchaus anzuhören.

Timo Tolkki´s Avalon - The Land Of New Hope
Der ex-Stratovarius Gitarrist und Songwriter Timo Tolkki bekam im Sommer 2012 vom Frontiers Records Chef Serafino Perugino die Anfrage für eine bombastische Metal-Oper und zögerte nicht lange. Tolkki cancelte alle anderen Pläne und fing sofort damit an, Songs zu schreiben. Am 17. Mai erscheint nun das Album mit dem Titel "The Land Of New Hope". Die Mitstreiter des finnischen Projekts sind in der Metal- und Rockszene auch keine Unbekannten. Schon bei den Gesangsparts kamen diverse Künstler wie Michael Kiske (UNISONIC), Elize Ryd (AMARANTHE), Rob Rock (IMPELLITTERI), Russell Allen (SYMPHONY X), Sharon Den Adel (WITHIN TEMPTATION) und Tony Kakko (SONATA ARCTICA) zum Einsatz. Besonders die klaren Frauenstimmen setzen schöne Akzente in den Stücken und sorgen dafür, dass der eine oder andere Titel sogar eine gewisse Tauglichkeit für den Eurovison Song Contest hätte. Dies trifft z.B. auf die Single "Enshrined in my Memory" (siehe Video unten) zu. Die Finnen haben ja schon seinerzeit mit Lordi bewiesen, dass sie mit eigenwilligen Songs den ESC-Sieg einfahren können. Ein Großteil der Stücke von Timo Tolkki´s Avalon wird jedoch von pulsierenden Doppel-Bassdrums angetrieben, was den Metal-Charakter hervorhebt. Die Gitarren ertönen oft zweistimmig und erinnern, wie die männlichen Gesangsparts eindeutig an den Glam-Metal der Achtziger.

Timo Tolkki´s Avalon Logo

Das Line-Up der Musiker besteht aus Alex Holzwarth (RHAPSODY OF FIRE) am Schlagzeug sowie Jens Johansson (STRATOVARIUS), Derek Sherinian (BLACK COUNTRY COMMUNION) und Mikko Härkin (SONATA ARCTICA) an den Keyboards. Diese Metal-Oper spielt rund 50 Minuten und überzeugt durch eine typisch skandinavisch, hochwertige Produktion. Sie enthält zudem eine ordentliche Portion Pathos, bleibt dabei aber immer sehr musikalisch und liefert Melodien, die im Kopf bleiben. Somit dürfte die Zielvorgabe von Serafino Perugino absolut erfüllt sein. Das Cover entspricht mit einem prachtvollen Band-Logo in seiner künstlerischen Aufmachung ebenfalls dem Metal-Genre. Für Fans melodischen Metals á la Nightwish, Amaranthe, Stratovarius oder Within Temptation dürfte Timo Tolkki´s Avalon vermutlich ebenfalls hörenswert sein!

Timo Tolkki's Avalon - Enshrined In My Memory (Official video)



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Beth Hart & Joe Bonamassa – Seesaw

Joe Bonamassa beherrscht nicht nur diverse Genres wie Blues, Rock oder Funk, er tobt sich auch gerne mal in weiteren Musikstilen aus und hat diverse Nebenprojekte. So kamen zuletzt in recht kurzen Abständen diverse Tonträger von und mit ihm auf den Markt, die von Classic-Rock (Black Country Communion) bis Akustik-Blues (An Acoustic Evening at the Vienna Opera) gingen. Der neueste Coup ist eine weitere CD zusammen mit US-Rockröhre Beth Hart. Das zweite Album der beiden hört auf den Namen Seesaw und enthält 11 Soulklassiker im neuen Gewand.

Beth Hart & Joe Bonamassa - Seesaw
Der erste Track ist eine uralte Nummer aus der Feder von Maceo Pinkard, Doris Tauber und William Tracey. "Them There Eyes" wurde erstmalig 1930 veröffentlicht und u.a. von Weltstars wie Louis Armstrong, Duke Ellington oder Diana Ross interpretiert. Richtig bekannt wurde der Song, als Billie Holiday ihn 1939 sang. Ein absolut zeitloser Titel, der aber auch schon gleich zu Anfang klarmacht, dass überall da, wo Joe Bonamassa draufsteht, nicht nur zünftiger Bluesrock drin sein muss. Dennoch gibt es flotte Stücke und bluesig ist es zum Teil natürlich auch. Irgendwie sind die Musikstile am Ende ja doch alle miteinander verwandt. An der Gitarre ist Bonamassa eine Koryphäe, nimmt sich aber auf Seesaw durchaus zurück. Gesanglich kann Beth Hart mich persönlich sowieso deutlich mehr überzeugen. Mir gefällt die Stimme von Joe Bonamassa nämlich nicht so gut, so dass eine verruchte, dreckige Frauenstimme entschieden mehr gefällt. Deutlich wird dies z.B. bei der Coverversion von "Nutbush City Limits". Beth Hart hat jede Menge Rotz im Gesang, was absolut positiv ist. Auch die ruhigeren Nummern singt sie ausnahmslos überzeugend. Die großen Gitarrenkurbelexzesse gibt es auf diesem Album nicht und dennoch vermag Bonamassa wieder seine Güte unter Beweis zu stellen und mit tollen Solo-Einlagen zu überzeugen. Der Soul liegt ihm wohl ebenfalls. Und weil zu diesem Musikstil knackige Bläsersätze gehören, kommt zuweilen ein angenehmes Bigband-Feeling auf. Mit "If I Tell You I Love You" von Melody Gardot kommt sogar eine Prise Chanson mit Akkordeon ins Spiel. Abwechslungsreich ist das Album also schon und Spaß macht es ebenfalls. Und da Soul und Blues durchaus fließende Übergänge haben, dürfte auch der eingefleischte Bonamassa-Fan seine Freude an Seesaw haben. Die CD mit knapp 50 Minuten Spielzeit wird am 17. Mai 2013 als Limited Edition (inkl. DVD) in den Handel kommen, kann aber bereits jetzt vorbestellt werden.

Beth & Joe - Seesaw WEBISODE 1



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Larry Carlton & Robben Ford – Unplugged [DVD]

Über Larry Carlton und Robben Ford muss man eigentlich keine großen Worte verlieren. Beide sind Gitarren-Legenden und als solche von ihren Fans weltweit geschätzt und geachtet. Larry Carlton wird auch Mr. 335 genannt, was auf die Gibson ES 335 E-Gitarre zurückzuführen ist, die er in erster Linie für seine musikalischen Darbietungen einsetzt. Zusammen mit Robben Ford hat er jedoch 2009 in Paris ein Konzert gegeben, bei dem beide mit Akustikgitarren spielten. Diese Aufnahme wurde kürzlich als DVD und CD veröffentlicht. Es ist übrigens die erste Akustik-Performance, die bis dahin mit Robben Ford aufgenommen wurde.

Larry Carlton Robben Ford - Unplugged
Den Opener des Konzertes im New Morning spielen die beiden Gitarren-Helden ohne Begleitung. Dann kommen Fifi Chayeb am Bass und Claude Salmieri am Schlagzeug hinzu, die das Duo perfekt ergänzen. Larry Carlton hat für mein Empfinden die größeren Solo-Anteile. Bei Robben Ford kommt dafür bei einigen Songs die Stimme zum Einsatz. Genau wie über die Gitarristen als solche, erübrigt sich auch eine Bewertung der spielerischen Leistung der Protagonisten. Beide überzeugen mit hoher Qualität und Professionalität. Dennoch will der Funken bei mir nicht so recht überspringen. Larry Carlton wirkt auf mich wie ein Gitarrist einer Top-40-Band, der tagsüber auf der Zielgerade zum Rentendasein einem "normalen" Beruf nachgeht und sich abends mit tollen Solopassagen auf seinem Instrument profiliert. Robben Ford erscheint mir bei seinen Solo-Einsätzen sauberer und sicherer zu sein. Die Musik dürfte die Fans beider Gitarristen jedoch grundsätzlich begeistern. Besonders haben mir die Songs "Monty", eine Hommage von Robben Ford an Wes Montgomery sowie "I Put A Spell On You" von Screamin' Jay Hawkins (siehe Video) gefallen. Leider ist das Konzert selbst schon nach weniger als 1 Stunde Spielzeit vorbei. Beim Bonusmaterial gibt es dann noch ein Gespräch zwischen den Herren, das vor der Show aufgezeichnet wurde und bei dem natürlich auch viel Gitarre gespielt wird. Den Anhänger von Larry Carlton und Robben Ford dürfte das Konzert, trotz der kurzen Spielzeit vermutlich größtenteils gefallen. Meine Erwartungen wurden jedoch nicht ganz erfüllt.

Larry Carlton & Robben Ford - I Put A Spell On You + Rio Samba



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Emma-Lee – Backseat Heroine

Besonders spannend sind für mich als "Musikkritiker" immer Alben von solchen Künstlern, die ich bis dato nicht kannte. Das kann mächtig in die Hose gehen, oder wie im Fall von Emma-Lee ein Aha-Erlebnis sein. Das zweite Album "Backseat Heroine" der kanadischen Singer/Songwriterin kam am 19. April in den Handel und kürzlich auf meinen Rezensionstisch.

Emma-Lee - Backseat Heroine
Das Genre Singer/Songwriter klingt vielleicht ein wenig nach Protestsongs à la Bob Dylan. Es kann aber auch eine deutlich poppigere Färbung haben, wie bei Emma-Lee. Die CD enthält 11 Songs, die sich auf gut 45 Minuten Spielzeit verteilen und eine Menge Abwechslung bieten. Schon der Opener "Not Coming By" fängt zwar ruhig an, baut sich aber bis zum Schluss zu einer extrem energiegeladenen Nummer auf. Im Mittelteil des Songs erklingen noch klagende Mariachi-Trompeten, während am Ende der powervolle Gesang den Stimmungswechsel deutlich macht. Der Titeltrack "Backseat Heroine" klingt im Refrain ein wenig nach Lady Antebellum´s Erfolgshit "Need You Now", bleibt aber nicht zuletzt deswegen auch hängen.

Ansonsten besticht das Album durch ein exzellentes Songwriting, Top-Produktion und absolut eingängige Musik. Emma-Lee´s Stimme erinnert an einigen Stellen an Eddi Reader (Fairground Attraction). Das Duett "Today´s Another Yesterday" mit Luke Doucet lässt Vergleiche zu Songs aus den Federn von Burt Bacharach sowie Carole King & Gerry Goffin zu. Es gibt also leichte Anleihen zu den Sechzigern. Und dennoch klingt alles extrem frisch und authentisch. Das Kolorit Nordamerikas ist unüberhörbar. Die Songs sind vielfältig und werden genau genommen keinem Genre wirklich gerecht. Emma-Lee hat einen eigenen Stil gefunden, den sie glaubwürdig auf diesen Tonträger gebannt hat. Der poppige Einschlag macht diverse Songs sogar absolut radiotauglich. Es würde den Musikredakteuren der Stationen guttun, mal auf den 387sten Einsatz der versmaßunfähigen und inzwischen total weichgespülten Toten Hosen zu verzichten und vielleicht mal ganz mutig etwas von Emma-Lee zu spielen. Dafür müsste jedoch der Wille da sein, die eingetretenen Pfade mal ein wenig zu verlassen und beherzt etwas Neues vorzustellen. Ich habe bei der Einöde der Radioprogramme zwar nur wenig Hoffnung, aber die Songs von Emma-Lee hätten es allemal verdient, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden. "Backseat Heroine" ist ein richtig gutes Album, das auch klanglich voll überzeugen kann.


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Foto: Marco van Rooijen
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Ana Popovic – Can You Stand The Heat

Boah, das groovt aber mal so richtig. Während die letzte Scheibe (Unconditional) von Ana Popovic eher back to the roots ging und ruhigerer Natur war, geht auf der neuen CD "Can You Stand The Heat" mit knackigen Funk-Elementen meist die Post so richtig ab.

Ana Popovic - Can You Stand The Heat
Bei der optischen Darstellung von Frau Popovic mögen der eine oder andere Herr und bestimmt auch ein paar Damen von der Musik abgelenkt sein. Die serbische Gitarristin und Sängerin geizt nicht mit ihren Reizen und zeigt offensichtlich gerne ihre weibliche Seite. Nun mag der unkundige Leser meinen, dass man mit hohen Schuhen und langen Beinen nicht unbedingt für den Blues prädestiniert ist. Die oftmals reizvolle Darstellung ist auch nicht jedermanns Sache, aber ein unverkennbares Statement der Künstlerin. Ich kann jedoch die frohe Botschaft verkünden, dass bei Ana Popovic die Musik erster Güte ist. Bereits die ersten Töne der neuen Platte geben die Richtung vor. Sehr funky fühlt man sich sofort in Zeiten zurückversetzt, in denen handgemachte Musik mit synkopierten Bassläufen, groovigen Drums und kernigen Bläsersätzen noch massentauglicher war. Ana Popovic nimmt diesen Faden auf und zeigt wieder mal mit ihrem beeindruckenden Gitarrenspiel und dem gefühlvollen Gesang, dass sie in einer Männerdomäne durchaus ihren Platz gefunden hat. Mit "Can You Stand The Heat" demonstriert sie zudem die Wandelbarkeit des Blues, der nicht nur die Form eines 08/15 12-Takte-Schemas haben muss, sondern so viele weitere interessante Facetten hat. Und interessant ist das Album von Ana Popovic allemal. Es erinnert zeitweise an die Musik von Albert Collins. Als Anpieltipp sei hier mal "Ana´s Shuffle" genannt. Mit einer knappen Stunde Spielzeit beweist die Serbin, dass Blues weder schwarz noch männlich, oder gar traurig ist und auch nicht aus dem Mississippi Delta oder Chicago kommen muss. Ana Popovic zeigt, dass sie mit anständiger Qualität auch ohne Frauenquote begeistert und legt erneut eine Platte vor, die positiv überrascht und zudem auch noch sehr gut klingt. Ich bin von dieser CD sehr angetan und kann sie nur wärmstens empfehlen. Erschienen ist "Can You Stand The Heat" am 19. April 2013 und im Sommer und Herbst gibt es Livetermine: Karten bestellen!

In das Album "Can You Stand The Heat" reinhören und/oder als MP3 bei Amazon.de kaufen:




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Rainbow – Live In Munich 1977 [DVD]

Rainbow zählt unbestritten zu den spannendsten Rockbands der Siebziger Jahre. 1975 nach dem Austritt bei Deep Purple von Ritchie Blackmore gegründet, kann die Band bis in die frühen Achtziger vor allem in Großbritannien einige hohe Chartplatzierungen mit ihren Alben ergattern. Wirklich legendär ist aber für viele nur die frühe Phase der Band, in der Ronnie James Dio am Gesang war und der Musik durch seine Stimme einen ganz eigenen Charakter gab. Dio ist 1978 aufgrund der Spannungen mit Ritchie Blackmore ausgestiegen.

Rainbow - Live In Munich 1977 DVD
Aus dem Jahr 1977 stammt dieser Konzertmitschnitt, der einzige, der jemals in voller Länge mit der klassischen Blackmore-Dio-Powell-Besetzung gefilmt wurde. Am Bass waren Bob Daisley und am Keyboard David Stone frisch besetzt. Bis die Münchener Olympiahalle jedoch in den Genuss der musikalischen Darbietung kommen konnte, war Geduld gefragt. Ritchie Blackmore hatte nämlich zwei Abende zuvor bei einem Auftritt in Österreich Ärger mit der Polizei und musste aus dem Alpenland herausgeschmuggelt werden. Das Konzert begann also erst weit nach Mitternacht!

Ob Ritchie Blackmore aufgrund der Vorkommnisse in Österreich so launisch wirkte, oder ob das seine normalen Allüren waren, kann ich nicht beurteilen. Er macht auf der DVD jedenfalls einen recht angespannten Eindruck. Blackmore war für derartige Stimmungsschwankungen aber auch bekannt. Musikalisch haben alle einen guten Job abgeliefert. Insbesondere Ronnie James Dio zeigte sein ganzes Können als hervorragender Sänger, der von weich und gefühlvoll bis hart und heavy zu jeder Zeit Herr seiner Stimme war, ohne dabei jemals in die Nähe seines Limits zu kommen. Cozy Powell trommelte souverän mit einer Haltung, dessen Anblick mir schon Rückenschmerzen verursacht. Ritchie Blackmore mimte den Boss und bediente in gewohnter Manier seine Strat mit flotten Läufen. Zum Schluss zertrümmerte er dann auch noch ein etwas günstigeres Model der Gitarre und wirkte dabei recht aggressiv. Er schleuderte das Instrument, bzw. dessen gebrochene Reste bedenklich nah an den Köpfen des Publikums vorbei. Passiert ist seinerzeit offensichtlich jedoch nichts.

Alles in allem ist dieses Konzert ein Highlight für Rainbow Fans. Die DVD wurde jedoch in nahezu gleicher Aufmachung schon 2006 veröffentlicht. Geändert hat sich – soweit erkennbar – nur, dass jetzt die Rockpalast- und WDR-Logos mit auf dem Cover abgebildet sind. Die neue Auflage ist dafür aber auch um einiges günstiger. Weil eine TV-Aufnahme von 1977 natürlich nicht an den heutigen Stand der Technik heranreicht, darf man sowohl vom Bild als auch vom Ton keine Wunder erwarten. Insbesondere im Bild laufen teilweise ein paar Streifen durch. Als Zeitdokument dieser beeindruckenden Rainbow Ära bekommt der Fan jedoch einige schöne Stücke präsentiert. Da können mir auch paar Störstreifen den Spaß nicht verderben. Für ein Kind der Siebziger kann das sogar einen gewissen Charme haben. Das Konzert erscheint als DVD und zeitgleich auf Doppel-CD sowie als Vinyl-Doppelalbum am 26. April 2013.


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Electric Light Orchestra – Live

Dieses Jahr feiert das Electric Light Orchestra laut der eigenen Webseite seinen 40. Geburtstag/Jahrestag. Ich habe zwar auch Daten, die sagen, dass die Band schon etwas älter ist, aber egal. Aus dem besagten, feierlichen Anlass erscheinen bei Frontier Records am 19. April drei Alben. Zum einen wird eine Live-Show, die 2001 vom Fernsehsender PBS in Los Angeles aufgenommen wurde, erstmals unter dem schlichten Namen "Live" auf CD veröffentlicht. Zum anderen kommen ELO´s "Zoom" und Jeff Lynne´s erstes Solo-Album "Armchair Theatre" jeweils mit 2 Bonus-Tracks als Re-Releases in die Läden. "Zoom" wurde zudem noch remastered.

Electric Light Orchestra - Live
Während die beiden Studio-Alben wohl hauptsächlich für ELO Fans spannend sein dürften, ist die Live-CD durchaus auch für eine größere Zielgruppe interessant. Die Show wurde in Auszügen schon mal auf DVD veröffentlicht. Auf der CD sind jedoch auch die Songs "Secret Messages", "Sweet Talkin' Woman", "Twilight", und "Confusion", die auf der DVD fehlten. Zudem sind auch hier zwei weitere, unveröffentlichte Studio-Tracks von 1992 und 2010 enthalten.

Warum ist das Album nun so interessant? Ich habe mich schon öfter dabei erwischt, wenn ELO Songs im Radio liefen, dass ich lauter machte, mich an den Liedern erfreute und sogar – sofern niemand zuhörte –mitsang. Die Band um Jeff Lynne hat einfach diverse Welthits im Repertoire, die richtig gut sind. Über 50 Millionen verkaufte Tonträger sprechen für sich. Sowohl das markante Songwriting, als auch die Instrumentierung und die brillante Stimme von Jeff Lynne sorgten für Meilensteine in der Rockgeschichte. Die vorliegende Scheibe enthält einige der großen Hits wie z.B. "Evil Woman", "Livin’ Thing", "Mr. Blue Sky" oder "Don’t Bring Me Down". Getragen wird das ganze durch eine hervorragende Live-Band, die auch die anspruchsvollsten Parts hinsichtlich des Satzgesangs in den Stücken mit Bravur meistert. 2 Cellistinnen runden das Gesamtbild sauber ab. Die CD ist also für die eingefleischten Fans vom Electric Light Orchestra ein Muss, aber auch für Freunde guter Siebziger- und ggf. noch Achtziger-Musik ein Leckerbissen. Leider fehlen einige tolle Hits wie z.B. "Hold On Tight", "Rock ’n’ Roll Is King", "Calling America",… Dennoch ist dieses Konzert ein netter Tripp in meine Kindheit/Jugend und weckt gute Erinnerungen! Ich denke, dass es anderen Hörern ähnlich gehen wird. Das Album erscheint als limitiertes Ecolbook.

Die drei ELO bzw. Jeff Lynne Veröffentlichungen
Cover
Titel
Bestellen bei
Electric Light Orchestra – Live
Electric Light Orchestra - Live
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Electric Light Orchestra - Zoom
Electric Light Orchestra - Zoom
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Jeff Lynne - Armchair Theatre
Jeff Lynne - Armchair Theatre
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