Steven Wilson – Hand. Cannot. Erase.


Wenn es personell einen Benchmark für hochkarätige Musik gibt, dürfte Steven Wilson ohne jeden Zweifel für viele erste Wahl sein. Der Mann ist ein genialer Songwriter, Produzent und Multiinstrumentalist. Am vergangen Freitag (27/02/15) erschien sein neues Solo-Album Hand. Cannot. Erase.

Steven Wilson – Hand. Cannot. Erase.
Ich hatte am Samstag ein Rezensionexemplar im Kasten. Erste Soundfiles, die ich mir schon vorab mal online anhören konnte, plätscherten eher unspektakulär an mir vorbei. Das Album in voller Länger von über 66 Minuten auf einigermaßen vernünftiger Hardware abgespielt, offenbart jedoch den erneuten Geniestreich. Gerade bei den Progressive Rock-Musikern kommt bei mir zuweilen das Gefühl auf, dass einige profilneurotische Freaks Musik für Musiker machen, nur um zu imponieren. Das ist dann zwar in der Tat oftmals imposant, hat jedoch meist keine Seele. Steven Wilson muss sich zum Glück nicht beweisen und setzt seine Stücke so um, wie es eben für den jeweiligen Titel optimal ist und nicht für technikverliebte Musikjunkies, die noch schnellere Gitarrensoli oder noch spektakulärere Breaks und krumme Rhythmen brauchen. Die Musik von Steven Wilson ist dennoch ohne Frage virtuos, enthält aber auch jede Menge Gefühl und erzählt Geschichten. Auf Hand. Cannot. Erase. wird die Geschichte von Joyce Vincent erzählt, einer jungen, attraktiven und beliebten Frau, die annähernd drei Jahre tot in ihrer Wohnen in London lag, bevor sie vermisst und gefunden wurde. So ein Thema wühlt auf und muss emotional feinfühlig verarbeitet werden. Wilson beschreibt musikalisch, wie sie langsam aus dem Leben "verschwindet" und weist mit diesem intonierten Drama auf die zunehmende Anonymität und Vereinsamung in der Gesellschaft hin. Und genau das geht nicht mit wilden Gitarrengekurbel, sondern braucht eine sensiblere Umsetzung. Die ist Dank göttlicher Songwriter-Qualitäten und illustrer Gäste wie Gitarrenvirtuose Guthrie Govan, dem deutschen Schlagzeuger Marco Minnemann (beide auch mit ihrer Band The Aristocrats eine unbedingte Empfehlung!), Sängerin Katherine Jenkins oder Dave Stewart, der an Chor und Streicher Arrangements mitgewirkt hat, sehr gelungen. Einen Großteil der Instrumente spielt Steven Wilson ja selbst. Trotz des schweren Themas und der Komplexität erdrückt einen diese Platte nicht. Natürlich spitzt sich die Dramatik im Laufe der Spielzeit zu, doch es bleibt immer musikalisch und berührend. Zum Schluss wird es dann wieder ganz ruhig und es hat den Anschein, als würden Engel das Outro singen…

Dieses Konzeptalbum mit dem tollen Cover von Lasse Hoile gehört in die Sammlung eines jeden Musiksammlers, oder besser noch in oder auf das Abspielgerät. Hand. Cannot. Erase. ist ein Meilenstein, der vermutlich auch in Jahrzehnten noch als herausragendes Gesamtkunstwerk in den Katalogen geführt und in einem Atemzug mit Dark Side Of The Moon, Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band oder Tubular Bells genannt werden wird. Das Zeug dazu hätte es auf jeden Fall, so dass ich es jedem anspruchsvollen Musikliebhaber nur wärmstens empfehlen kann!

Steven Wilson - Perfect Life


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