Heinz Rudolf Kunze + Tobias Künzel - Uns fragt ja keiner - Live


Was passiert, wenn der deutsche Rock-Poet Heinz Rudolf Kunze zusammen mit Prinz Tobias Künzel ein Konglomerat der eigenen sowie von neuen gemeinsamen Songs live darbietet? Richtig! Es folgt ein Doppel-Album, welches diese Zusammenkunft als Tondokument für die Nachwelt festhält. Selbiges heißt "Uns fragt ja keiner - Live" und wird am 22. März 2013 erscheinen.

Heinz Rudolf Kunze - Tobis Künzel - Uns fragt ja keiner - Live
In der Schule war Deutsch eines der Fächer, welches mir weniger lag. Der Grund dafür war jedoch nicht die Sprache selbst, sonder die Art, wie die Pädagogen ihre Lehrpläne abgearbeitet haben. Als ich im pubertären Alter erstmalig mit den Songs von Heinz Rudolf Kunze konfrontiert wurde, änderte sich jedoch meine Einstellung zur Muttersprache maßgeblich. Der Mann war wortgewandt, kritisch, hatte Witz und konnte seine Beiträge sowohl musikalisch, als auch in gesprochenen Texten überzeugend deklamieren. Insbesondere auch seine angenehm lausbübisch klingende Stimme passte hervorragend zu den Liedern und Texten. Mit Kunze kam das Interesse für die eloquente Sprache. Vermutlich hätte ich sogar mein kürzlich erschienenes Buch 'Komische Menschen' ohne die Impulse von HRK nie geschrieben.

Tobias Künzel ist seit 1991 Mitglied der Prinzen, der Band, die in den Neunzigern diverse Hits wie "Küssen verboten", "Alles nur geklaut" oder "Schweine" hatte. In meiner Zeit als Pressefotograf mit eigener Bildagentur, war die erste Poster-Veröffentlichung 1994 mit einem Bild der Prinzen, eine Doppelseite in der Pop/Rocky. Die Herren waren immer extrem unkompliziert. Auf "Uns fragt ja keiner - Live" singt Tobias Künzel erwartungsgemäß, bedient jedoch auch das Schlagzeug.

Bereits das herrliche Cover zeigt, dass die beiden Männer auf spaßige Weise kleine Identitätswechsel vornehmen. Tobias Künzel trägt die Brille, eines der augenscheinlichsten Merkmale von Heinz Rudolf Kunze, während selbiger leicht verdutzt zum Mitspieler herüberschaut. Auf der Platte setzen sich diese Wechselspiele fort, indem Künzel die Kunze-Songs und Kunze die Künzel- bzw. Prinzen-Songs intoniert. Wenn dann noch ein Lied wie "Dein ist mein ganzes Herz" deutlich ruhiger arrangiert ist, wird das ganze Ausmaß der Zusammenarbeit erkennbar. Hier wird experimentiert und keiner der beiden will einfach seine Hits herunterspielen. Es gibt zudem eine Menge frischer Songs, die die zwei zusammen geschrieben haben. Ein Titel wie das zweistimmig gesungene "Ich will den kalten Krieg zurück" blickt mit einer gewissen Melancholie in die Zeit vor dem Mauerfall und gefällt auf Anhieb. Die Nummer hat wohl die Kernbotschaft, dass jede Zeit ihre guten und schlechten Seiten hat(te). Der Song schaut auch auf die Epoche zurück, in der Kunze seine größten Erfolge hatte. Damals war er für mein Empfinden inhaltlich noch ein wenig bissiger. Vielleicht lagen ihm die Themen zu jener Zeit besser? Wie in früheren Live-Programmen hat HRK auch auf diesem Album einige gesprochene Beiträge. Bei "Radio Galeere" fühlt er dem öden und kalkulierten Radioprogrammen sarkastisch auf den Zahn. Ich musste Tränen lachen und sah sofort die Parallelen zu meinem Artikel: 'Will uns der NDR zu Radio-Masochisten machen?', den ich Ende letzten Jahres aufgrund der überwiegenden Trostlosigkeit des (nord)deutschen Rundfunks geschrieben habe.

Tobis Künzel + Heinz Rudolf Kunze
Musikalisch werden KuK von Paul Millns an den Tasten, Christof Stein-Schneider (Ex-Fury In The Slaughterhouse) an der Gitarre sowie von Räuberzivilist Peter Pichl am Bass begleitet. So gibt es auch zwei Songs von Millns und eine schöne Version von Fury´s "Won´t Forget These Days" auf der Doppel-CD. Ansonsten sind einige sehr gute, aber auch schwächere Titel zu hören. Es ist eben weder eine typisches Kunze, noch ein Prinzen-Album, sondern ein Mittelweg, bei dem beide einander Tribut zollen, Gemeinsamkeiten belegen und Spaß an der Zusammenarbeit haben. Bei ca. 130 Minuten Spielzeit ist der eine oder andere "Ausreißer" allerdings problemlos zu verkraften. Speziell bei HRK habe ich ansonsten schon öfter festgestellt, dass das mehrmalige Hören und Zuhören bei neuen Songs sinnvoll ist, um noch mehr Gefallen am Material zu finden. So wird wahrscheinlich auch dieses Album etwas Reifezeit benötigen, um voll bei mir anzukommen.

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