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Archive for February 2015

Foto: Katja Ruge

Evi Vine – Give Your Heart To The Hawks

Zugegeben, der Titel des neuen Albums von Evi Vine klingt vielleicht für den einen oder anderen etwas kitschig. Ich habe Give Your Heart To The Hawks das erste Mal über meinen PC abgespielt, während ich an irgendetwas anderen gearbeitet habe. Die suboptimale Klangqualität ergänzt durch die Ablenkung hinterließen einen ersten Eindruck, der eher enttäuschend war.

Evi Vine – Give Your Heart To The Hawks
Nun gebe ich Rezensionsexemplaren, insbesondere solchen, die ich explizit anfordere, immer die Chance, unter ordentlichen Bedingungen zu punkten. Ergo legte ich den Tonträger bei wohlig temperierter Raumbeschaffenheit in das Abspielgerät meiner HiFi-Anlage und hörte mir das Album ganz bewusst an. Und siehe da, auf einmal funktioniert es. Nicht nur irgendwie und einigermaßen, sondern richtig gut. Manche Platten, gerade die, die auf eine Zielgruppe jenseits des Mainstreams zielen, brauchen zuweilen diese erhöhte Aufmerksamkeit. Evi Vine ist ein Duo, das aus der gleichnamigen Sängerin und dem Songwriter Steven Hill besteht. Die Songs sind speziell, besonders und sehr atmosphärisch. Mal elfenartiger, mal gehauchter Gesang, der mich hier und da ein wenig an melancholische Stimmungen zwischen Heather Nova, The Sundays und Clannad erinnert. Gepaart mit einer, teils unorthodoxen Instrumentierung zaubern die Songs emotionale Tiefe und eine einsetzende Transzendenz, was durchaus berühren kann. Es geht auf dem Album um dunkles Leiden, es vermittelt intensive Gefühle und nimmt einen mit auf eine expressive Reise. Wenn man diese Musik zulässt, wirkt sie auch ganz intensiv.

Entstanden ist Give Your Heart To The Hawks in der Nähe von Berlin, an einem Ort, wo Evi und Steven die dunkle, elementare Natur des menschlichen Herzens sowie die Umwelt und post-apokalyptische Themen für dieses Album erforschten. Schon der erste Longplayer ..And so The Morning Comes, den die beiden in Eigenregie zu Hause aufgenommen haben, wurde in England begeistert von Kritikern und Musikerkollegen gewürdigt. Nun steht Album Nr. 2 in den Startlöchern und wird ab 06. März im Handel erhältlich sein. Für alle, die emotionalen Tiefgang mögen und für einen imaginären Gang durch den dunklen Wald einen passenden Soundtrack suchen, könnte Give Your Heart To The Hawks genau das Richtige sein.

Evi Vine - Porcelain (Official Video)


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Foto: John Zocco

The Neal Morse Band – The Grand Experiment

Wo Neal Morse seine Finger im Spiel hat, ist feinster Progressive Rock nicht fern. Das galt bis zum letzten Album des US-Amerikaners. Mit Songs From November (2014) wurde er zwischendurch zwar mal etwas mainstreamiger. Am 13. Februar kommt aber das neue Album, The Grand Experiment, welches wieder auf gewohnten Pfaden wandelt und lupenreinen Prog-Rock bietet.

The Neal Morse Band – The Grand Experiment
Mit an Bord sind auch diesmal wieder Schlagzeug-Gott Mike Portnoy und Randy George am Bass, wie auf der letzten Prog-Scheibe Momentum (2012). Dauerhaft sind nun ebenfalls Eric Gillette an der Gitarre und Bill Hubauer an den Tasten im Line-Up. Letztere steuern auch gesanglich einiges zum Gelingen bei. Schon der erste Track des Albums, "Following The Call" beginnt mit einem astreinen Satzgesang, der mich gleich mal an "Fat Bottomed Girls" von Queen erinnert hat. Dieser wohlklingenden, mehrstimmigen Gesangseinlagen sind des Öfteren zu hören. Insgesamt ist das neue Album durch eine wirklich kompetente Kapelle deutlich attraktiver, als es Momentum war. Besonders ist an The Grand Experiment auch, dass die Herren das erste Mal zu einer Aufnahme-Session kamen, ohne Material dabei zu haben. Normal bringt Neal Morse schon seine Ideen oder komplette Titel mit. Diesmal sollten die Songs erst im Studio entstehen, was grundsätzlich ein Risiko war, aber bei der hochkarätigen Besetzung auch eine Chance. Und herausgekommen ist tatsächlich eine Scheibe, die Prog-Rock-Freunde in Entzückung versetzen wird. So gefallen mir, neben den oben genannten Gesangseinlagen auch die Gitarrenparts sehr gut. Die Songs wirken insgesamt ausgewogener und in sich stimmiger. Rund 53 Minuten Spielzeit sind für Neal Morse zwar ein relativ kurzes Intermezzo, aber die Qualität der Songs macht das wieder komplett wett. Und natürlich darf auch auf dem neuen Album der obligatorische, besonders lange Track nicht fehlen. Mit "Alive Again" gibt es einen Titel, der mit 26 Minuten und 42 Sekunden wieder das gesamte Spektrum der Möglichkeiten im Progressive Rock und das Besondere dieses Genres aufzeigt. Wenn das dann noch so gekonnt, wie von der Neal Morse Band eingespielt wird, bleiben kaum noch Wünsche offen. The Grand Experiment ist eine extrem gelungene Platte, die klar beweist, dass Neal Morse zu Recht als Speerspitze des modernen Progs gilt! Die Kollegen tun ihr übriges und somit ist die neue Interpreten-Bezeichnung mit The Neal Morse Band durchaus nachvollziehbar!

The Neal Morse Band "The Grand Experiment" OFFICIAL Music Video


The Neal Morse Band Live 2015
Datum Ort Location
11.03.2015 Aschaffenburg Colos-Saal
12.03.2015 Mannheim Alte Seilerei
13.03.2015 Hamburg Markthalle
14.03.2015 Bochum Matrix
    

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