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Archive for May 2014

Fotos: Thomas Hanses (EBU)
11.05.2014 Veröffentlicht von Torsten in Humor, Spezial, TV, TV Konzerte

Jetzt geht´s um die Conchita Wurst – Oder was es mit der Toleranz auf sich hat!

Wenn ich mir die Schlagzeilen zum gestrigen ESC ansehe, ist überall zu lesen, dass wir einen Sieg der Toleranz und Akzeptanz erleben durften. Es scheint, als ob die Mehrzahl der Journalisten sowie der Zuschauer nicht geblickt haben, dass Conchita Wurst keine missgebildete Zirkusattraktion aus dem Kuriositäten-Kabinett ist, sondern eine Kunstfigur, die bewusst mit ihrem Äußeren provoziert, um zu polarisieren und aufzufallen. Im wahren Leben steht hinter der bärtigen Frau nämlich ein Mann namens Thomas Neuwirth.

Eurovision_Conchita Wurst © Thomas Hanses (EBU)
Die ersten Toleranzwähler dürften sich jetzt um ihre Stimme(n) betrogen fühlen. Denn dachten sie doch, dass diese Frau mit der unbändigen Gesichtsbehaarung ein bedauernswertes Wesen sei, dem man aus Mitgefühl und Inklusionsgründen die Stimme geben muss. Das scheue Reh hat sich trotz offensichtlicher, optischer Makel auf die Bühne gewagt und in bester Shirley Bassey Manier einen Song intoniert, der einem James Bond Film gut zu Gesicht gestanden hätte. Diesen Mut muss man doch durch wohlwollende Hergabe der Stimme(n) honorieren, ob es einem gefällt oder nicht. Diese Courage gehört belohnt. Die Presse ist begeistert und stimmt in die Gutmütigkeitsfabel ein. Eine Schlagzeile wie "Die Toleranz hat gesiegt" macht sich in Zeiten, wo es am Ostrand Europas heiß her geht besonders gut. Da wird die Frau mit Vollbart zum Symbol für Friedlichkeit und zur Botschafterin für bedingungslose Nächstenliebe. Ach, dann ist die Welt wohl doch nicht so schlecht, wie ich dachte?

Aber Moment! Wenn die Frau gar keine Frau ist und womöglich nicht mal Conchita Wurst heißt, legt das doch den Verdacht nahe, dass das Publikum absichtlich getäuscht werden sollte…? Nein, soweit will ich jetzt nicht gehen. Die Zuschauer sind vermutlich nur auf sich selbst reingefallen, da ein graziles Wesen mit goldenem Kleid, wallenden Haaren und einem engelsgleichen Gesicht nicht mit dem Vorhandensein eines Vollbartes oder anderer männlicher Attribute kompatibel ist. Da springen irgendwelche Sicherungen raus und das Hirn arbeitet nicht mehr rational. Es setzt eine fehlgeleitete Empathie ein, die dem armen Wesen helfen will. Auch wenn der Song nicht schlecht war, vielleicht sogar gut – gewonnen hat die Optik, das Anderssein, das eigentümliche Wesen. Musik ist ja Geschmackssache, aber ich habe immer öfter das Gefühl, dass es beim Eurovison Song Contest vielmehr um eine möglichst auffällige Inszenierung, als um die eigentlichen Songs geht. Conchita Wurst ist definitiv anders. Das ist schließlich Sinn und Zweck einer Kunstfigur dieser Gattung. Dies ist sie jedoch in voller Absicht und nicht, weil sie vom Schicksal gebeutelt ist. Das kann man gut finden, oder nicht. Wer dann jedoch für so einen Song bzw. Künstler aus Toleranz stimmt, hat sich nur instrumentalisieren lassen und ist auf die Masche "Bärtige-Frau" schlichtweg reingefallen. Sind die Menschen so leicht manipulierbar, oder war "Rise Like A Phoenix" am Ende möglicherweise doch der beste Song des Abends? Ich hatte jedenfalls andere Favoriten.

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Foto: Joe Lester

California Breed – Das neue Projekt von Glenn Hughes, Jason Bonham und Andrew Watt

Nachdem Joe Bonamassa bei Black Country Communion ausgestiegen ist, hat es auch Keyboarder Derek Sherinian aus dem Line-Up der Band gekegelt. Übrig blieben Glenn Hughes und Jason Bonham (der Sohn von John Bonham / Led Zeppelin), die den jungen Gitarristen Andrew Watt (23) an Bord geholt haben und jetzt unter dem Namen California Breed firmieren. Das Debüt-Album des Rock-Trios erscheint am 16. Mai bei Frontiers Records und dürfte Freunden ansprechenden Classic-Rocks durchaus munden.

CALIFORNIA BREED cover
Bereits der Opener "The Way" geht geradlinig ins Ohr und macht es unmöglich, still sitzen zu bleiben. Ein rotziges Gitarrenriff unterstützt vom treibenden Schlagzeug und komplettiert durch den markanten Gesang von Glenn Hughes bringen einen sofort auf Kurs. Ja, hier gibt es gleich mal richtig was auf die Ohren und man fühlt sich schnurstracks in die Siebziger zurückversetzt. Titel Nr. 2 "Sweat Tea" (siehe Video) steht dem in nichts nach. Purer Rock, wie ihn der Kenner gerne hat! Dass Glenn Hughes beim dem Gesangsstil überhaupt noch eine Stimme hat, grenzt an ein Wunder. Er scheint irgendwie von einem anderen Stern zu sein. Auch optisch ist Hughes alles andere als normal. Er ist ein wahrer Freak und den braucht es im Musikbusiness. Gerade bei dieser Musikrichtung nehme ich ihm sein Stil zu 100% ab – er wirkt absolut authentisch. Im weiteren Verlauf des Albums gibt es auch ruhiger Stücke. Der Titel "Midnight Oil" hat Kultcharakter und dürfte auf Konzerten ein Song werden, bei dem das Publikum gut mitsingen kann und wird. California Breed ist echter Rock ohne Schnickschnack, aber mit viel Herzblut und Power sowie tollen Songs. Das Album ist super produziert und sollte für den vollen Spaßfaktor laut gehört werden. Da müssen die Nachbarn durch. Wenn selbige nicht Helene Fischer Fans sind, kommen sie möglicherweise sogar rüber und rocken mit. Man hört in den Stücken teilweise die Verwandtschaft zu Deep Purple und Led Zeppelin an, aber es gibt auch reichlich eigene Stilistik, so dass hier eine autonome Rock-Platte eingespielt wurde, zu der es für meinen Geschmack gerne noch reichlich Nachfolger geben darf. Hoffen wir, dass California Breed länger besteht, als Black Country Communion. Live dürfte die Band ebenfalls ein Highlight werden! Das Album überzeugt mich schon mal restlos.

California Breed - Sweet Tea


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