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Archive for June 2012

Foto: Colm Henry (www.colmhenry.ie)

Sarah McQuaid – The Plum Tree And The Rose

Was macht eine Frau, die als Tochter eines Spaniers und einer Amerikanerin in Madrid geboren wurde, in Chicago aufwuchs, die amerikanische sowie irische Staatsbürgerschaft hat und nun mit ihrer Familie im ländlichen England lebt für Musik? Sarah McQuaid findet offensichtlich großen Gefallen an der alten, englischen Folkmusik.

Sarah McQuaid - The Plum Tree and the Rose
Auf Ihrem neuen Album "The Plum Tree And The Rose" sind diese Einflüsse unüberhörbar. Mehr noch; sie arbeitet stilistisch und textlich mit den Elementen der frühen Neuzeit und hat sogar einige alte Lieder aus dieser Epoche für dieses Album aufgenommen. Zu allen Titeln gibt es im Booklet die Texte sowie Beschreibungen, die meist die Intention erläutern, wie es zum jeweiligen Stück gekommen ist. Auch hier zeigt sich vielfach das eingangs beschriebene Interesse zur frühen Neuzeit. Der Großteil der Songs wurde von Sarah McQuaid selbst, teilweise zusammen mit Gerry O´Beirne geschrieben. Gerry O´Beirne hat das Album auch produziert und spielt die Gitarrenparts.

Interessant an der Zusammenstellung der Songs ist, dass mich Stücke wie "Lift You Up And Let You Fly" oder "So Much Rain" an die Musik von James Taylor erinnern, jedoch wunderbar mit den traditionell anmutenden Titeln harmonieren. Die Verwandtschaft der alten britischen Folkmusik zum amerikanischen Singer-/Songwriter Genre ist somit erkennbar. Die Vorfahren von James Taylor kamen übrigens aus Schottland. Die Stimme von Sarah McQuaid lässt durchaus den Vergleich zu Carly Simon zu. Sie hat das gleiche Timbre. Und interessanterweise waren James Taylor und Carly Simon von 1972 bis 1983 verheiratet. Das alles passt wohl eher zufällig zusammen, aber die Verbindung ist dennoch irgendwie da und interessant! Wer also die Klangfarbe der Stimme von Carly Simon mag, mit der Musik von James Taylor etwas anfangen kann und ebenfalls einen Zugang zu alter englischer Folkmusik hat, könnte mit "The Plum Tree And The Rose" einen Volltreffer landen. Klanglich ist das Album überzeugend und wird dem Zuhörer Freude bereiten.

Sarah McQuaid - Lift you up and let you fly


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David Benoit – Conversation

In der Liga der Jazz-Pianisten spielt der US-Amerikaner David Benoit ganz oben mit. Er beherrscht zum einen die Jazz-Standards, spielt aber auch zeitgenössischen Jazz aus eigener Feder und arrangiert bei Bedarf ein komplettes Orchester. Heute ist sein neues Album Conversation erschienen.

David-Benoit - Conversation
Schon die ersten Töne lassen die Handschrift Benoits erkennen. Für Gitarristen gibt es mehr Möglichkeiten, den eigenen, unverwechselbaren Sound zu finden. Pianisten haben es deutlich schwerer. Und dennoch hört man David Benoit - bei seinen typischen Kompositionen - an den ersten Tönen heraus. Sein Musikstil ist einmalig! Er spielt zum einen wunderschöne Dur-Melodien, die vor dem geistigen Auge eine Blumenwiese erscheinen lassen, auf der es frisch duftet, Schmetterlinge von einer Blüte zu nächsten fliegen und alles in vollendeter Harmonie dahingleitet. Zum anderen hat er Moll-Kompositionen, wie z.B. "Sunrise On Mansion Row", das begleitet von einem singenden Sopran-Saxophon eine bittersüße Stimmungen schafft, die direkt ins Herz geht. Was vielleicht etwas kitschig klingt, ist Kopfkino der besonderen Art, zu dem David Benoit den Soundtrack spielt. Besser noch; er liefert das Filmskript. Begünstigt wird die Filmmusik-These teilweise noch durch hervorragend dargebotene orchestrale Arrangements. Alles klingt vollendet und rund. Hier und da groovt noch mal ein lateinamerikanischer Rhythmus und rundet das Bild eines exquisiten Instrumental-Jazz-Albums ab. Ich mag die Musik von David Benoit sehr gerne, weil sie zum einen sehr anspruchsvoll ist und zum anderen immer melodisch sowie feinsinnig bleibt.

Conversation ist das 27. oder 28. Solo Album, wenn man die vom Benoit-Freemann-Projekt mitzählt. Auf unzähligen anderen Produktionen, vieler bekannter Interpreten hat David Benoit zudem mitgewirkt. Ich hätte mir auf Conversation noch ein bis zwei Songs mehr gewünscht, da die CD mit einer Spielzeit von gut 36 Minuten recht knapp ausfällt. Klanglich wird aber mal wieder ein gutes bis sehr gutes Niveau erreicht, so dass der Daumen hier nach oben zeigt.

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Return To Forever – The Mothership Returns

Ein wahres Schmankerl für Jazz/Rock/Fusion Freunde steht seit heute in den CD-Regalen guter Plattenhändler. Return To Forever ist ein Band-Projekt, das Anfang der Siebziger von der Jazz-Keyboard-Legende Chick Corea ins Leben gerufen wurde. "The Mothership Returns" ist eine Doppel-Live-CD + DVD, die jetzt zum normalen CD-Kurs in die Läden kommt.

Return To Forever - The Mothership Returns
Die aktuelle Besetzung wird auch "Return To Forever IV" genannt und besteht neben Chick Corea aus Stanley Clarke am Bass, Lenny White am Schlagzeug, Jean-Luc Ponty an der Geige sowie Frank Gambale an der Gitarre, der Al Di Meola´s Posten übernommen hat. Jeder für sich ist schon ein Meister an seinem Instrument und hat als Solo-Künstler sowie in verschiedenen Formationen bereits höchste Beachtung und Anerkennung errungen. In dieser wahren Supergroup findet sich allerdings eine Band zusammen, die das Genre perfekt bedient. Die Herren sind alle schon etwas betagter, Frank Gambale ist mit 53 Jahren der jüngste im Bunde. Der Rest hat – bis auf Stanley Clarke – die Rente altersmäßig schon längst erreicht. Und dennoch sprüht diese Altherrengruppe vor Spielfreude und Können, dass viele jüngere Kollegen nur blass werden können.

Bei dem Konzertmittschnitt aus dem Jahr 2011 zeigt sich die wahre musikalische Größe des Quintetts. Jeder Ton sitzt perfekt, das Timing stimmt und man spürt die Energie. Trotz der teils komplexen Stücke und der hohen Güte, wird alles mit einer scheinbaren Leichtigkeit vorgetragen. Vielleicht wirkt sich das Alter der Bandmitglieder hier positiv aus! Alle fünf Protagonisten haben tolle Solo-Parts in den Stücken und die Songs überschreiten das radiotaugliche Spielzeitmaß von 3-4 Minuten meistens erheblich. Für Jazzrock-Fans ein rauschendes Fest! Die Beiden CDs kommen zusammen auf knapp zwei Stunden musikalischen Hochgenuss und klingen hervorragend.

Die DVD enthält eine Dokumentation, in der die fünf Musiker über die Entstehung der Songs sprechen und Anekdoten dazu erzählen. Auch hier spürt man die Freundschaft und das Glücksgefühl zusammen zu musizieren. Zudem sind mit "After The Cosmic Rain" und "The Romantic Warrior" zwei umfangreiche Live-Songs auf der DVD. Last but not least gibt es einen ausführlichen Trailer für den demnächst erscheinenden Film "The Story Of Return To Forever". Zu den zwei Stunden hochkarätiger Musik kommen also noch mal rund zwei Stunden Bonus-Material auf der DVD. Dieses Album ist qualitativ und quantitativ ein Highlight. Return To Forever spielt ohne Zweifel in der höchsten Liga und geizt nicht mit beeindruckendem Material. "The Mothership Returns" wird garantiert viele alte und neue Fans beglücken.

Das folgende Video zeigt eine Aufnahme vom Festival Jazz des Cinq Continents (FJ5C) in Marseille. Der Song "Medieval Overture" ist der klassische Opener für RTF-Konzerte, natürlich auch auf The Mothership Returns.

RETURN TO FOREVER IV / FJ5C 2011 MARSEILLE OFFICIAL


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Pink Floyd – The Story Of Wish You Were Here

Nach dem großen Erfolg von "The Dark Side Of The Moon" standen Pink Floyd für das nächste Album extrem unter Druck. Bis heute rangiert "The Dark Side Of The Moon" auf Platz zwei der meistverkauften Alben aller Zeiten. Mit der Platte gelang Pink Floyd der große, weltweite Durchbruch. Es hat die Messlatte jedoch auch sehr hoch gelegt.

Pink Floyd - Wish You Were Here -DVD Cover
Mit der DVD bzw. Blu-ray "The Story Of Wish You Were Here" kommt am 22. Juni eine Dokumentation in den Handel, die über die Entstehung des Nachfolgealbums zu "The Dark Side Of The Moon" erzählt. Sowohl von Fans, als auch von den Bandmitgliedern David Gilmour und Richard Wright wurde und wird "Wish You Were Here" als liebstes Pink Floyd-Album bezeichnet. In England und Amerika stieg die Platte sofort nach Erscheinen auf Platz 1 der Charts ein und rangierte auch in vielen anderen Ländern der Erde auf absoluten Spitzenpositionen. Die Entstehung dieses Meisterwerks war jedoch alles andere, als einfach. Gewidmet wurde es dem ehemaligen Pink Floyd Mitglied Syd Barrett, der die Band bereits 1968 aufgrund schwerer Drogenprobleme verließ. Die beiden Songs "Wish You Were Here" und "Shine On You Crazy Diamond" beziehen sich auf den früheren Frontmann.

Während der Aufnahmen zur Platte kam es immer wieder zu Spannungen zwischen Roger Waters und David Gilmour. Zudem war die kreative Ausbeute bei den Arbeiten in den Abbey Road Studios zeitweise alles andere, als gut. Auf der DVD erzählen die damaligen Pink Floyd Mitglieder Roger Waters, David Gilmour und Nick Mason, wie das Album entstand. Archivaufnahmen des 2008 verstorbenen Keyboarders Richard Wright fließen ebenfalls mit ein. Auch der Cover-Künstler Storm Thorgerson, der Gastsänger Roy Harper, Ronnie Rondell, der brennende Mann vom Cover und andere, an der Entstehung des Albums beteiligte Personen kommen zu Wort. Der damalige Toningenieur Brian Humphries verdeutlicht anhand der Original Masterbänder die Konstruktion der Songs.

Ich finde derartige Dokumentationen extrem spannend, weil sie hinter die glänzende Fassade schauen. Dabei kommen Details zum Vorschein, die so ein Album noch mal wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen. Auch andere Platten der Musikgeschichte sind unter teilweise unglaublichen Bedingungen entstanden. Und dennoch, oder gerade deswegen wurden diese zu Meisterwerken. Die Mitglieder von Fleetwood Mac waren z.B. bei den Aufnahmen zu "Rumours" in zerrütteten Beziehungen zueinander und Drogen waren wohl auch im Spiel. Die Aufnahmen von Queen für "A Night At The Opera" waren seinerzeit ein letztes Aufgebaren vor dem finanziellen Ruin. Denn an den Vorgängeralben haben Queen fast nichts verdient! Vielleicht braucht es eine außergewöhnliche Situation, um außergewöhnliche Alben aufzunehmen? Bei "Wish You Were Here" war das wohl auch der Fall. Die Story zum Album gibt es in Kürze auf DVD / Blu-ray. Die Doku ist im Originalton, bietet jedoch auch verschiedene Untertitel inkl. Deutsch. Letztlich ist "The Story Of Wish You Were Here" aber wohl nur etwas für eingefleischte Pink Floyd Fans. Als Schmankerl füge ich noch ein Video mit bei, das den einmalig wiedervereinten Auftritt von Pink Floyd mit Roger Waters beim Live 8 Konzert aus dem Jahr 2005 zeigt.

Pink Floyd - Wish You were here Live 8 Concert


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Foto: Samantha Rozon

Brooke Miller – Familiar

Manche CD-Veröffentlichungen würde man als "Normalbürger" glatt übersehen. Zum Glück halten mich diverse Platten- und Promotionfirmen hinsichtlich ihrer Neuerscheinungen auf dem Laufenden, so dass ich auf diesen musikalischen Leckerbissen aufmerksam wurde. Veröffentlicht wird Familiar von Brooke Miller am 15. Juni 2012. Die Plattenfirma Stockfisch Records hat mir freundlicherweise auf Anfrage ein Rezensionsexemplar zukommen lassen (Danke!). Und das ist auch gut so. Das Album, das sowohl als SACD (läuft problemlos im normalen CD-Player), als auch gebacken in 180g Vinyl erscheinen wird, ist nämlich höchst beeindruckend!

Brooke Miller - Familiar
Bei Brooke Miller werden nicht unzählige Instrumente und Effekte eingesetzt, um eine bombastische Stimmung zu konstruieren. Nein, die Kanadierin erzeugt ihr ganz besonderes, einfühlsames Feeling allein mit ihrer Stimme und einer Akustik-Gitarre. Das ist Stimmungsmusik der anderen Art mit Einflüssen aus Folk, Country und Pop. Reduziert, intim und apodiktisch. Bei einigen Stücken kommt Don Ross am Bass, Piano oder einem Fender Rhodes E-Piano zum Einsatz. Der Rest ist Brooke Miller pur. Sie erzeugt mit der Minimalbesetzung eine unglaublich persönliche Atmosphäre. Ein Großteil der Stücke ist mit Open Tunings eingespielt. Das bedeutet, dass die Gitarre nicht normal gestimmt ist, sondern die Saiten individuelle Stimmungen erhalten. Dadurch entstehen teils wunderbare Harmonien, die abseits vom Mainstream eine willkommene Abwechslung bieten. Für die Gitarristen werden die Open Tunings der Songs auch im Booklet genannt. Das erspart einen Teil der aufwendigen Transkription. Doch bevor man die Stücke nachspielt, sollte man sich erst mal Zeit nehmen und dieses Album ausgiebig genießen. Im Pressematerial wird Brooke Miller mit ihren kanadischen Landsleuten Bruce Cockburn und Joni Mitchell verglichen. Ich bin mir sicher, dass deren Fans auch Gefallen an Familiar finden werden. Hinsichtlich der Stimmfarbe würde ich noch Sarah McLachlan und Dido, als Vergleich heranziehen, wobei Brooke Miller weniger poppig klingt und die Töne am Schluss nicht so hochzieht. Der herausragend gute, audiophile Klang des Albums, tut sein übriges zum redlichen Musikgenuss der Sonderklasse! Aufgenommen wurde der Longplayer übrigens Im Gewölbe von Stockfisch Records im beschaulichen Northeim (Niedersachsen). In Zeiten oftmals übertechnisierter Produktionen und maschinell erstellter Musik, ist Familiar von Brooke Miller eine akustische Perle mit erfrischendem Charakter. Grandios!

Das folgende Video zeigt eine Aufnahme aus der Gitarrenwerkstatt von Greenfield Guitars. Der Song "You Can See Everything" ist vom Album Familiar.

Brooke Miller - You can see everything


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Foto: Smileus/Fotolia
6.06.2012 Veröffentlicht von Torsten in Sonstiges, Spezial

Brauchen wir eigentlich einen EM-Song?

Zu jedem Fußballgroßereignis gehört ja mittlerweile auch ein eigener Song. Zur bevorstehenden Fußballeuropameisterschaft gibt es ebenfalls schon wieder entsprechendes Liedgut. Normal ärgere ich mich über Radiosender, die über Monate den Eindruck erwecken, nur eine CD-Kompilation mit 20 Stücken in der Schublade der Musikredaktion zu haben, um daraus das tägliche Programm zu bestücken. Momentan bin ich fast dankbar über diese Eintönigkeit.

Soccer © DS Visionen Fotolia.com
Ich habe mich nämlich kürzlich mal gefragt, ob es überhaupt einen Song für die EM 2012 gibt und begann bedauerlicherweise zu recherchieren. Ich hätte es besser wissen sollen! Begleitendes Tonmaterial zu großen Fußballtournieren muss ein paar einfache Regeln befolgen: Der Song sollte lateinamerikanische Rhythmen enthalten. Das baut eine Brücke dorthin, wo die vermeintlichen Gottkaiser des Fußballs herkommen. Ein Mitgrölpart, á la "Olé – Olé – Olé", oder so ähnlich, der auch bei einem Alkoholpegel von 1,8 Promille und einem IQ von unter 80 noch funktioniert, ist ein MUSS! Im Musikvideo tanzen ein paar leicht bekleidete Dirnen, die zwar andere Instinkte stimulieren, der Sache (dem Verkauf) aber dennoch förderlich sein könnten. Schließlich benötigt man einen Künstler, der einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, sich aber trotzdem für dieses Vorhaben hergibt, obwohl dieser weiß, dass es zwar dem Image schadet, aber dennoch vielleicht ein paar Extra-Euros in die Kasse spült. Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine wird sogar von verschiedenen Interpreten vertont. Allen voran ist der offizielle UEFA-Song "Endless Summer" von Oceana. Oce-wer??? Es sollen doch bekannte Künstler sein! Oceana ist eine Soul-Sängerin, die in Polen und in der Ukraine so bekannt ist, wie Shakira oder vergleichbare Goldkehlchen. Ach so! Dann haben wir als nächstes unseren huttragenden Swingbarden Roger Cicero, der für den DFB den atypischen Song "Für nichts auf dieser Welt" intoniert. OK, gleich zwei Songs, denkt der mündige Bürger. Es kommt aber noch dicker! Das ZDF schmeißt eine weitere Nummer ins Rennen. Hierbei handelt es sich um eine osteuropäisch angehauchte Version des Neunziger-Hits "I Like To Move It", die von einer Kapelle namens Los Colorados rausgeschmettert wird. Das Original von Reel 2 Real war schon grenzwertig, aber jetzt wird die Grenze geknackt… Coca Cola hat auch einen eigenen Song, Irland schickt die überzuckerten Zwillinge von Jedward ins Rennen und an dieser Stelle habe ich meine Recherche zum Selbstschutz abgebrochen! Auch wenn die, in Monotonie und Tristesse verfallenen Radiosender die offiziellen, halboffiziellen und inoffiziellen Songs kaum bis gar nicht in ihr Programm implementieren, kocht der eine oder andere gar sein eigenes Süppchen und nötigt Moderatoren mit schiefer Stimme zur Darbietung hauseigener EM-Lieder, welche oftmals einer Körperverletzung verdächtig nahe kommen. Ich erspare Euch Beispiele!

Die Überschrift dieses Artikels, stellt ja die Frage, ob wir einen EM Song überhaupt brauchen? So wie es aussieht, brauchen wir offensichtlich eine ganze Batterie davon. Scheinbar wollen viele Leute ihren Profit aus dem Fußball-Ereignis schlagen. Die Songs spielt zwar keiner, aber Hauptsache, sie sind da. Das ist wie der Schuss aus einer Schrotflinte. Eine Kugel trifft vielleicht, aber die meisten verfehlen ihr Ziel! Naja, das ZDF wird wohl seinen Nerv-Song über das Maß der Zumutbarkeit ins laufende Programm einwerfen und an der eigenen Zielgruppe vorbeischießen. Normale Einsätze im Radio dürften jedoch auch bei der Nummer überschaubar bleiben. Echte Fußball-Fans würden sich diese kalkulierten EM-Songs vermutlich sowieso nicht kaufen, da selbige ja eher zu Fan-Devotionalien greifen, die die Deutschlandflagge in jeder erdenklichen Form wiedergeben, um den eigenen Patriotismus breitflächig zu demonstrieren. Dass diese Produkte vermutlich zu 98% aus asiatischer Produktion kommen; geschenkt! Was dem Deutschen recht ist, ist dem Asiaten billig, oder umgekehrt. Es geht schließlich darum, nach gewonnen Spielen der deutschen Elf, mit der tiefergelegten Rest-TÜV-Karre seine Freude über den errungenen Sieg auf offener Straße lautstark auszuleben und dabei die Straßenverkehrs-Ordnung kurzzeitig auszublenden. Dafür sind seichte Swing- und Poplieder einfach nicht geeignet. Die Bassrutschen in den Autos wollen schließlich mit harten Beats gefüttert werden. Zudem würden radiotaugliche Töne doch nur beim Dauerhupen stören. Schließlich muss man fairerweise auch noch an alle die denken, die selbstlos den Klang ihrer durchdrehenden, abreibenden Reifengummis ertönen lassen, um ihren Beitrag zum Gelingen der Feier beizusteuern. Und aus den alkoholbenetzten Kehlen ertönt dazu ein steinzeitliches "Deutschlaaaand, Deutschlaaaand, Deutschlaaaaand, Deutschlaaaand…" Wer braucht da noch einen EM-Song? In diesem Sinne: Gutes Gelingen!

Autokorso Deutschland WM2010


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The Motives – Featuring Matt Taylor

Ein Freund von mir nennt Blues auch gerne mal abwertend "Bauernpunk". Nun gut, es gibt sicherlich drittklassige Blueskapellen, die auf Dorffesten spielen und mit einer derartigen Umschreibung zufrieden sein könnten. Es gibt jedoch auch Bands, die wirklich hochkarätig sind und allein mit dem Genre Blues schon ungenügend beschrieben wären. The Motives sind so eine Band!

The Motives - Cover
Laut Presseankündigung vereinen sich bei "The Motives" vier der besten Bluestalente Europas. Da wären an der Gitarre und am Gesang Matt Taylor (Long John Baldry, The Snow White Blues Projekt, Patricia Kaas, Gary Barlow,…), an der Hammond sowie am Piano Jonny Dyke (Amy Macdonald, Judie Tzuke, Coco Montoya, Ben E King, US Bonds and The Overtones,…), am Bass Andy Graham ('Best Bass Player' bei den British Blues Awards 2010 & 2011, Ian Siegal,…) und last but not least am Schlagzeug Roy Martin (Aretha Franklin, David Sanborn, James Morrison, Jack Bruce, Joan Baez, Robert Palmer,…). Diese vier haben das neue Bandprojekt The Motives gegründet und werden am 22. Juni ihr erstes Album in dieser Konstellation veröffentlichen. Ich habe bereits ein Promoexemplar vorliegen und bin richtig begeistert. Das Cover mit Sin-City-Schrift ist schon ein erstes Statement, das die Erwartungen schürt. Hier sind Profis mit ganz viel Herzblut am Werk und zeigen rund eine Stunde lang, wie anständige Bluesmusik klingt. Sie verbinden 40er New York, 50er Chicago und 60er London Sound mit dem elektrisierenden Gitarrenspiel von Matt Taylor. Dabei erklingen die Gitarrenparts mit einem herrlichen Röhrensound, ergänzt von typischen Hammond-Orgeln und feinsten (E-)Piano Melodien. Getragen wird alles durch die solide Rhythmus-Sektion. Der Gesang von Matt Taylor klingt streckenweise wie ein motivierter Eric Clapton, erinnert aber zuweilen auch etwas an Mark Hollis von Talk Talk. Die Mischung macht´s. Das Album geht spielerisch durch die Jahrzehnte und zeigt Songmaterial, das vertraut, aber dennoch frisch wirkt. Schon der Opener "Never Tell A Lie" glänzt durch ein tolles Intro, in dem gleich der Benchmark gesetzt wird. Die Füße wippen sofort mit und der überzeugende Retro-Sound begeistert bei sehr gutem Klang. Hier sind Musiker am Werk, die die Songs nicht nur spielen, sondern leben. Feinste Handmade-Musik live und auf echten, (vermutlich) alten Instrumenten eingespielt. So muss Blues gemacht werden – ehrlich und authentisch und ohne große Effekthascherei. Dann ist es auch definitiv kein Bauernpunk, sondern musikalische Handwerkskunst erster Klasse, die richtig abgeht! Im April 2012 hat übrigens die Pre-Produktion für einen weiteren Sin-City Film (Sin City: A Dame to Kill For) begonnen. Der eine oder andere Song von The Motives könnte da doch bestimmt in den Soundtrack passen!

The Motives feat. Matt Taylor - Natures Cruel Design


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